Ich denke so gut wie alle Menschen die sich mit dem Nähen beschäftigen, wissen, was vor vier Jahren passiert ist. Seit diesem Tag gibt es die FASHION REVOLUTION und heute startet die Fashion Revolution Week 2017:

Mit diesem Blogpost bin ich für heute zwar spät dran, doch schon seit Wochen setzen wir uns hier zuhause intensiv damit auseinander. Meine Tochter (und natürlich auch die anderen SchülerInnen) sollten sich ein freies Thema für ein Deutsch Referat aussuchen. Sie überlegte nur kurz und kam auf die Idee über die Textilindustrie zu sprechen.

Bei uns zuhause, ist das ja schon lange gelebter Alltag, dass wir zwischen Bedarf und Bedürfnis unterscheiden. Textilindusrie, Recycling, Upcycling, Wertschätzung… das sind für meine Kinder Begriffe, mit denen sie viel anfangen können.

Wer in der Klasse weiß das noch? Denen wollte meine Tochter die Augen öffnen.

Hier möchte ich den Text des Referates vorstellen, nur in schriftlicher Form, denn für ein Internet Video ist meine 12 Jährige dann doch zu jung.

KARTE 1 – EINLEITUNG

Heute will ich euch etwas über die Textil und
Bekleidungsindustrie erzählen..

Von den Rohstoffen, über die Näherinnen bis hin zu den
Lösungsmöglichkeiten, die auch wir als junge Käufer haben.

Kleider machen Leute… WELCHE LEUTE machen sie und unter
welchen Bedingungen?

KARTE 2 – FASHION
REVOLUTION DAY

Als Datum habe ich mir bewusst den heutigen Tag ausgesucht,
denn genau vor vier Jahren am 24. April 2013 stürzte in Bangladesch das Gebäude
„Rana Plaza“ ein. Darin befanden sich eine Bank, mehrere Geschäfte und eine
Nähfabrik. Das Haus wurde kurz zuvor, ohne Genehmigung und Kontrolle, um drei
Stockwerke erweitert.

Da man am 23.4.2013 Risse in
den unteren Geschoßen entdeckt hatte, wurde das gesamte Gebäude geräumt. Am
nächsten Morgen blieben Bank und Geschäfte geschlossen, doch den Näherinnen
wurde mit Kündigung gedroht, wenn sie nicht arbeiten. Auch wenn die Frauen ein
ungutes Gefühl hatten, waren sie gezwungen in das Gebäude zu gehen. Kurz nach
Arbeitsbeginn fiel der Strom aus und Sekunden später stürzte alles ein. Mehr
als 1100 Menschen starben und doppelt so viele wurden zum Teil

KARTE 3 – ROHSTOFFGEWINNUNG
– BAUMWOLLE

Weltweit wird 99% der Baumwolle aus gentechnisch verändertem
Saatgut in Monokultur angebaut. Die Sträucher haben eine lange Wachstumsphase
und werden daher nach der Ernte sofort neu ausgesät. Die Bauern müssen daher
nicht nur das Saatgut kaufen, sondern auch in großen Mengen Dünger und
Pestizide, welche reichlich verwendet werden. 11% aller produzierten Pestizide
werden auf Baumwollplantagen verspritzt und sind sogar noch in der Kleidung,
die wir kaufen, nachweisbar. Der Dünger verseucht die Erde und das Wasser. Die
Bauern und Textilarbeiter in Asien, die meist keine Schutzkleidung tragen,
werden oft schwer krank, da im Dünger und den Pestiziden viele giftige Stoffe
sind.

Nur 1 % der Baumwolle ist BIO (organic Cotton) du kannst das am GOTS
Zertifikat erkennen.

Der neue Trend ist, anstelle von Baumwolle Polyesterfasern zu verarbeiten. Sie werden aus
nicht erneuerbarem Erdöl hergestellt und sind damit auch keine wirklich
Alternative.

KARTE 4 – NÄHERINNEN

Es herrschen sehr schlechte Arbeitsbedingungen. In großen
Hallen nähen hunderte Menschen stundenlang immer nur die gleiche Naht, und das
unter Zeitdruck.

Die Standartarbeitszeiten sind von 7:00 bis 18:00 sieben
Tage die Woche. Nur am Samstag wird lediglich acht Stunden gearbeitet. Das macht mindestens 75 Stunden in der Woche.
Mit dem Geld das die Leute verdienen, können sie gerade noch überleben. Sie
wohnen in ärmlichsten Verhältnissen und könnten sich schon gar nicht die
Kleidung leisten, die sie nähen.

KARTE 5 – MINDESTLOHN
vs. EXISTENZLOHN

Der Existenzlohn wäre das, was man braucht um Miete,
Kleidung, Essen, Ausbildung und den Arzt zu bezahlen. Außerdem sollte damit
auch ein kleiner Teil für den Notfall beiseite gelegt werden können. Dieser
Existenzlohn ist in jedem Land unterschiedlich hoch doch in jedem Fall ist er
um vieles höher als der Mindestlohn.

Den Mindestlohn gibt der Staat vor. Je weniger ein Konzern
den Arbeitern bezahlen muss, umso lieber lässt er in dem Land produzieren. Also
helfen niedrige Mindestlöhne der Wirtschaft aber nicht den Menschen.

Wenn also ein Modekonzern damit wirbt, dass in ihren Fabriken der gesetzliche
Mindestlohn bezahlt wird, dann ist das zu wenig. Nur wer den Existenzlohn
bezahlt, lässt wirklich fair produzieren. Doch dieses Wort wirst du in den
Richtlinien der großen bekannten Modeketten vergeblich suchen.

KARTE 6 – 5 STUFEN
ZUR FAIRNESS

Ich habe viele Berichte gelesen und Videos angesehen. Ich
könnte noch Vieles mehr zu dem Thema erzählen, doch es ist sehr bedrückend. Daher
möchte ich jetzt zu einem Ende kommen.  Zum
Abschluss zeige ich euch, wie auch wir uns in Zukunft für mehr Gerechtigkeit
einsetzen können. Wir alle können
mithelfen etwas zu verändern. Wir haben die Wahl. Wir haben die Macht. Denn nur
was gekauft wird, wird auch neu produziert.

·
Der Preis
… Weil etwas mehr kostet, heißt es nicht dass es fair produziert wird. Doch
wenn etwas billig ist, kannst du davon ausgehen, dass Ausbeutung im Spiel ist.

·
Die Menge
Nimm dich selbst an der Nase und denke darüber nach, wie viele Hosen, Shirts,
Jacken, Schuhe, Tücher… usw. du wirklich brauchst. Kaufe nur was du auch
wirklich anziehst. Weniger ist mehr!

·
Die
Labels
… Schau nach ob irgendwo ein Bio-Fairtrade-oganic-Öko… Label auf der
Kleidung hängt. Wenn du solche Produkte kaufst, sendest du ein Signal an die
Hersteller. Ich habe den „Label Check“ von Clean Clothes Österreich ausgedruckt.
Darin findest du die wichtigsten firmenunabhängigen Gütesiegel und ein paar
habe ich hier ans Plakat gehängt.

·
Upcycling
Billige Wegwerfmode „Fast Fashion“ solltest du sowieso nicht kaufen.  (in D fallen täglich 2t Textilmüll an!) Also
mache aus alt einfach neu. Warum eine kaputt gemachte Jeans kaufen, wenn du aus
einer alten noch ein stylisches Teil machen kannst. Das geht ganz einfach und
macht Spaß. Im Internet findest du ganz viele Ideen.

·      Information … ist der halbe Weg. Ich
habe dir jetzt viel erzählt und in einem Handout zusammengefasst. Rede mit
deinen Eltern und Freunden darüber. Beteilige dich an den Aktionen von z.B.
Clean Clothes oder Fashion Revolution.

KARTE 7 –
SCHLUSSSATZ

Zusammengefasst
bedeutet das für uns und für eigentlich alles im Leben

WENIGER IST MEHR

Bei diesen Worten hat sie dann ein vorbereitetes Schild direkt auf das Plakat „geklebt“ (Klettband).. so sieht es fertig aus:

Das was unten dran hängt, sind Karten über ein paar Gütesiegel und eas sie bedeuten.

Wir haben auch noch drei Informationsbroschüren von Clean Clothes Österreich, Greenpeace
Report Konsumkollaps
und denFair Faschion Guide der AK Oberösterreich ausgedruckt und meint Tochter hat sie zur Einsicht in der Klasse aufgelegt.

Außerdem bekam jedes Kind und die Frau Professor ein Handout mit einer Kurzfassung des Referats und eine Kopie der CleanClothes Shopkarte.

Diese Kurzfassung können die Kinder, oder deren Eltern gerne von mir als pdf Datei bekommen. Auch dir schicke ich sie gerne per Email (schreib mir ein Kommentar, eine Email oder über das Kontaktformular)

Dem Handout ist auch eine Liste mit links zum Thema und Bezugsquellen angehängt.

Bei Susanne Mamimade gibt es die ganze Woche eine linkparty, wo du Blogposts zu dem Thema verlinken kannst.

Wir haben viel geredet, gelesen, Videos geschaut, geweint, gelacht,
waren verzweifelt ob der größe des Themas … Meine Tochter hat
geschrieben, schlecht
geträumt, nachgedacht, geschnippelt, kopiert, geklebt, gebastelt, diskutiert  … kurzum sie war unglaublich fleißig.

Und ich bin soooo stolz auf sie

P.S.: Ich bin auch stolz auf dich, wenn du tatsächlich alles gelesen hast. Wie gesagt, wenn du die Broschüren oder die Kurzfassung des Referats für dich, deine Kinder, deine Schüler, … haben möchtest, schicke ich dir gerne eine pdf. Da sind dann auch alle links dabei … hier hänge ich sie auch noch dran:

Links zum Thema und
Bezugsquellen:

Fashion
Revolution

Eine weltweite
Organisation, die nach dem Einsturz des Rana Plaza Gebäudes entstanden ist.
(Die Seite ist auf Englisch)

Clean Clothes Österreich 

Arbeitet aktiv für faire
Arbeitsbedingungen in der Bekleidungs- und Sportartikelproduktion weltweit. Die
CCK zeigt Menschen- und Arbeitsrechtverletzungen in Fabriken der
Bekleidungsindustrie auf. Sie mobilisiert KonsumentInnen und setzt sich mit
deren Unterstützung für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen von NäherInnen
ein.

Wear
Fair & mehr

Die WearFair & mehr
ist Österreichs größte Messe für einen öko-fairen Lebensstil und zeigt seit
2008 wie modisch, genussvoll und innovativ ein nachhaltiges Leben sein kann.
Die Messe erfüllt einen umfassenden Informations- und Bildungsauftrag zu
nachhaltigem Lebensstil und den zentralen sozialen und ökologischen
Herausforderungen unserer Zeit.

6. bis 8. Oktober 2017 in
der Tabakfabrik in Linz

Mamimade „This
is not Okay“

Eine österreichische
Bloggerin setzt sich viel mit dem Thema Textilindustrie auseinander. 2015 hat
sie Nähbloggerinnen dazu aufgerufen sich in selbstgenähter oder FairTrade
Kleidung und die mehr als 300 Beispiele in ihrem virtuellenNähblogger Katalog(link auch auf ihrer Seite) zusammengefasst.

Aftenposten TV (von einer Norwegische Zeitung)

Drei junge Norweger wurden
von der Zeitung Aftenposten gebeten sich
auf eine Entdeckungsreise nach Kambotscha zu machen. Es enstanden fünf
Videos zusammengefassthier(https://loewing.at/2015/03/this-is-not-okay-2-blogger-in-kambodscha.html).
Video zwei zeigt, wie Sokty lebt und in Video drei wird genäht.

Greenpeace
Report Konsumkollaps

Fair Faschion Guide

9 thoughts on “#haulternative … FASHION REVOLUTION WEEK 2017

  • Oh! Löwenmädchen, wie genial!!! Bitte schick mr deine Zusammenfassung! Das nehm ich in die Schule mit!

    Antwort
  • Das hat sie ganz, ganz toll gemacht! Sehr reif und durchdacht für eine 12 jährige (das könnten selbst ältere Schüler oft nicht!), da kannst du wirklich mega stolz auf sie sein!

    Bussi
    Claudia

    Antwort
  • Respekt! Ein ganz tolles, informatives und zum Nachdenken anregendes Referat! Vielen lieben DANK dafür! Mit lieben Grüßen Nicole

    Antwort
  • Ganz, ganz toll. Gerade die jungen Käufer kümmern sich oft überhaupt nicht darum, wer Ihre Kleidung macht, woher sie kommt und wie sie hergestellt wurde. Hauptsache trendy und billig. Mit dem Referat hat sie genau das richtige Thema angesprochen.
    Eine ganz tolle Arbeit, gut recheriert und umgesetzt.
    Liebe Grüße, Julia

    Antwort
  • Vielen Dank für deine Mühe und an deine Tochter – Hut ab! Sich mit diesem schweren Thema auseinanderzusetzen! Danke, dass du das Material hier zur Verfügung stellst! Ich hoffe, dass der Vortrag in den Zuhörern etwas angestoßen hat und den ein oder anderen dazu bringt, sich intensiver mit dem Thema zu beschäftigen und langfristig etwas zu ändern! Finde gut, dass genau in dem Alter das Referat gehalten wurde, weil doch (spätestens) im Teeniealter die modischen Bedürfnisse größer werden als der tatsächliche Bedarf.

    Viele Grüße,
    Peggy

    Antwort
  • Wow, das hat sie wirklch toll gemacht. Ich werde meiner Tochter morgen diesen Beitrag zum lesen geben.
    Lg kathrin

    Antwort
  • Tolles Referat. Ich finde es auch ganz wichtig, sich immer wieder bewusst zu machen was wir am Körper tragen!

    Antwort
  • Mir kommen die Tränen.
    Ich bin so stolz auf sie!

    Antwort

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